
von Tobias Norkowski
Die Lippe und die Trockenheit – Was das Niedrigwasser für unseren Ruderbetrieb bedeutet.
Der trockene Sommer 2026 hinterlässt deutliche Spuren. Nach Angaben der Bundesanstalt für Gewässerkunde sind derzeit alle deutschen Stromgebiete von Niedrigwasser betroffen. An Rhein, Donau und Elbe wurden teilweise außergewöhnlich niedrige Werte erreicht. Die Lippe in Hamm befindet sich dagegen noch nicht in einer vergleichbaren Ausnahmesituation.
Der Westfälische Anzeiger berichtete am 12. August von einem Wasserstand von rund 3,27 Metern am Pegel Radbodstraße. Der langjährige Mittelwert beträgt dort 3,35 Meter, der mittlere Niedrigwasserstand 3,13 Meter. Am 16. August zeigte das Pegelportal von Emschergenossenschaft und Lippeverband 3,24 Meter an.
Wasserstand allein entscheidet nicht
Für den Ruderbetrieb bedeutet der Pegelwert zunächst weder eine automatische Freigabe noch ein festgelegtes Trainingsverbot. Ein Pegel zeigt außerdem nicht unmittelbar die tatsächliche Wassertiefe an jeder Stelle des Ruderreviers.
Entscheidend sind die Verhältnisse vor Ort: Lassen sich die Boote sicher einsetzen? Gibt es neue Untiefen, freiliegende Hindernisse, stärkeren Pflanzenbewuchs oder Treibgut? Besonders bei Rennbooten können Schwert und Steuer bereits in flachen Bereichen beschädigt werden. Auch die sichere Begleitung von Nachwuchs- und Anfängergruppen muss gewährleistet bleiben.
Neben dem Wasserstand ist der Durchfluss wichtig. Für die Lippe ist am Wehr in Hamm eine Mindestwasserführung von zehn Kubikmetern pro Sekunde vorgesehen. Wird dieser Wert unterschritten, greift die Wasserbewirtschaftung zwischen Lippe und Datteln-Hamm-Kanal. Die Zehn-Kubikmeter-Grenze dient vor allem dem Schutz des Ökosystems und ist keine rudersportliche Sperrmarke.
Für den RC Hamm ergibt sich aus der gegenwärtigen Lage daher keinen Grund, den Ruderbetrieb einzustellen. Trainerinnen, Trainer und verantwortliche Bootsbesatzungen müssen die Bedingungen jedoch weiterhin vor jeder Ausfahrt prüfen und gegebenenfalls Strecke, Bootswahl oder Trainingsform anpassen.
Andere Vereine müssen bereits reagieren
Wie schnell Niedrigwasser den Sportbetrieb beeinträchtigen kann, zeigen Beispiele aus anderen Revieren:
- In Düsseldorf wurden ab dem 8. August 2026 sämtliche Trainingstermine für die Benefizregatta „Düsseldorf am Ruder“ wegen des niedrigen Wasserstands im Rhein und im Medienhafen an den Unterbacher See verlegt. Nachwuchs, Leistungssport, Masters und Studierende mussten ausweichen oder an Land trainieren.
- Der Ulmer Ruderclub an der Donau arbeitet mit festen Pegelbereichen. Bei absolutem Niedrigwasser gilt auf einem Teil des Reviers ein Ruderverbot mit Vereinsbooten.
- Besonders drastisch ist die aktuelle Lage am Bodensee: Der Ruderverein Friedrichshafen stellte am 14. August 2026 den Breitensport auf dem Wasser vollständig ein. Der Pegel lag mit 2,75 Metern deutlich unter der vereinsinternen Grenze von 2,90 Metern. Als Ersatz wird Landtraining angeboten.
Diese Beispiele zeigen: Nicht ein einzelner Zahlenwert, sondern die konkrete Befahrbarkeit des Reviers entscheidet. Die Lippe bietet dem RC Hamm derzeit weiterhin deutlich bessere Voraussetzungen als viele andere Gewässer. Die Entwicklung bleibt aber abhängig von Niederschlag, Temperatur und Wasserführung.
Stand: 16. August 2026
Quellen
- Westfälischer Anzeiger: „Wasserstand in der Lippe in Hamm – ab wann wird die Lage kritisch?“, 12. August 2026; außerdem Stadtanzeiger Hamm vom 15. August 2026
- Emschergenossenschaft und Lippeverband: Pegel HAM Radbodstraße und aktuelle Pegelstände
- Bundesanstalt für Gewässerkunde: Niedrigwasserbericht vom 13. August 2026
- Abkommen über die Verbesserung der Lippewasserführung
- „Düsseldorf am Ruder“: Verlegung des Trainings wegen Niedrigwassers
- Südkurier: Ruderverein Friedrichshafen stellt Wasserbetrieb ein, 14. August 2026

