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News - Rudern

Vizeweltmeisterin   18.08.2019

Die 17jährige Lene Mührs, die mit 8 Jahren beim RC Hamm das rudern erlernte und bis zu ihrem 15 Lebensjahr sehr erfolgreich für den Club startete ist am 11.08.2019 auf dem Seaforest Waterway in der Bucht von Tokio/Japan mit dem weiblichen Flaggschiff des DRV, den JW 8+ in beeindruckender Manier Vizeweltmeisterin hinter China geworden.

Lene wechselte Anfang 2018 fast zeitgleich mit der Entscheidung ihres damaligen Trainers Dieter Müller in den Ruhestand einzutreten ihren Trainingsort und zog in das Sportinternat des Helmholtzgymnasiums Essen. Kurz darauf entschied sie sich, der Kettwiger Rudergesellschaft beizutreten, um einen reibungslosen Trainingsbetrieb zu gewährleisten. Mitglied des RC Hamm ist Lene aber geblieben.


Als Internatsschülerin trainiert sie seitdem am Olypiastützpunkt Baldeneysee unter Cheflandestrainer Ralf Wenzel und an der KRG unter Florian Momm. Ihr Trainingspensum steigerte sich vor großen Veranstaltungen bis auf 30h in der Woche. 

Das Jahr 2019, in dem die Juniorenweltmeisterschaft in Tokio stattfinden sollte begann für Lene Mührs erfolgreich. Im Zweier Ohne mit ihrer damaligen Partnerin Lena Siekerkotte von der KRG fuhren sie starke Zeiten (zweitschnellste auf der NRW Rangliste) und qualifizierten sich so für die internationale Langstreckenregatta im Frühjahr in Turin, Italien. Auch auf dem Ergo lief es für Lene gut, sie erruderte auf den deutschen Ergomeisterschaften in Essen eine 7,19 min und wurde 4. Mit dieser Zeit blieb sie nur eine einzige Sekunde über der WM Norm für Tokio. 

Doch auf dieser Regatta kündigte sich schon an, dass ihre Partnerin Lena angeschlagen war. Sie musste ihr Rennen abbrechen. 

Im weiteren Verlauf der Saison, vor allem im Frühjahrstrainingslager in Berlin, konnten Lene und Lena dann gar nicht mehr zusammen rudern, Lena war verletzt. Die damalige Entscheidung der Landestrainer Lene keine neue Zweier Ohne Partnerin zu geben (es war einfach niemand da) führte dazu, dass Lene in ihren Einer zurück ging und für sich den Traum von Tokio immer mehr ad acta legte. Ihr neues Ziel sollte der Balticup im Herbst 2019 werden. 

Doch es kam anders. Nach der Junioren Europameisterschaft in Essen, bei der Lene Mührs nicht berücksichtigt worden war, da sie auf der Qualifikationsregatta in München nicht im Zweier Ohne antreten konnte, erhielt sie einen Anruf des Cheflandestrainers Ralf Wenzel. Eine weitere Ruderin aus NRW, die Neusserin Helena Spanke, war erkrankt. Als neue Partnerin im Zweiter Ohne für deren "übrig gebliebene" Partnerin Olivia Clotten kam nach Wenzels Meinung nur Lene in Frage. 

So stiegen die beiden 17jährigen eine Woche vor der entscheidenden Qualifikationsregatta zur JWM auf der internationalen Regatta in Hamburg zum ersten Mal zusammen in einen Zweier Ohne. Die Art und die Zeiten, die sie zusammen von Anfang an aufs Wasser zauberten waren hervorragend und den beiden gelang in HH das Kunststück das B - Finale im Zweier Ohne nach erst zweimaligem gemeinsamen Trainings zu gewinnen. Als sie dann noch bei der DJM in Brandenburg die Bronzemedaille im Vierer Mit und die Silbermedaille im JW 8+ erruderten, wurden Mührs/Clotten für ihren Einsatz in Tokio nominiert. 

Vor der DJM machte sich noch einmal der gute Zusammenhalt bis heute im RC Hamm bezahlt. Lene litt seit Wochen unter quälendem Husten. Ihre Mutter, selbst ehemalige Trainerin (nicht beim rudern) vermutete ein Belastungsasthma und setzte sich mit Esther Abrams in Verbindung, die Lene sehr kurzfristig durchcheckte und die Vermutung bestätigte. Auch organisierte sie noch vor der DJM einen Termin für Lene bei einem Lungenfacharzt, der Esthers Diagnose nochmal bestätigte. Er war nun in der Lage, ein entsprechendes Medikament zu verordnen und auch das Gutachten zu verfassen, um den Antidopingbestimmungen der NADA und WADA gerecht zu werden. 

Gesund und mit den passenden Medikamenten versorgt ging es für Lene und die Juniorennationalmannschaft in das fast fünfwöchige Trainingslager (UWV) vor der WM nach Berlin-Grünau. Dort findet an den ersten Tagen die Selektion zur Großbootbildung statt. Lene verbessere ihren Ergometerwert um 5 (!) Sekunden, wurde zweitbeste Riemerin im Messboot und gewann den Stufen- und den Rampentest. Daraufhin fand sie ihren Namen bei der Bekanntgabe der Mannschaft, die tatsächlich in Tokio rudern würde, auf der steuerbordseite des Achters. Sie erzielte auf ihrer Seite (steu) zudem die besten Werte aller deutschen Riemerinnen insgesamt. 

Nach der UWV flog das Team nach Tokio und akklimatisierte sich dort noch einige Tage mit Training und letzten technischen Einstellungen bevor am 07.11.2019 die Veranstaltung feierlich eröffnet wurde. Der neu angelegte Seaforest Waterway ist die Regattastrecke für die Olympischen Spiele Tokio 2020 und die JWM 2019 war die erste dort ausgetragene internationale Regatta und fungierte als Testevent für Tokio 2020. 

Bei großer Hitze (Temperaturen um 35 Grad und Luftfeuchtigkeit bis 80%) fanden die Rennen statt. 

Der Achter um Lene Mührs, deren Platz die 5 ist, fuhr am 09.08 sein erstes Rennen, ein Bahnverteilungsrennen gegen die amtierenden Europameisterinnen Russland, China, die USA und Italien. Nach einem gravierenden technischen Fehler nach 7 Schlägen am Start stand das deutsche Boot fast und musste wieder von vorne beginnen. Doch Janne Börger (c), Mathilda Kitzmann (s), Emma Kögler, Olivia Clotten, Lene Mührs, Svea Pichner, Kristin Wagner, Klara Kerstan und Clara Oberdorfer (b) ließen sich nicht entmutigen und erruderten, das Feld von hinten aufrollend, einen dritten Platz und somit eine der wichtigen Innenbahnen. Der Seaforest Waterway ist durch seine Lage am offenen Meer sehr windanfällig. Daher war das Erringen einer Innenbahn das Ziel des deutschen Bootes gewesen. 

Im Finale glückte dem Team ein fehlerloser Start und das deutsche Boot ging mutig in Führung, welche es bis zur Mitte der Strecke hielt. Dann wurde es von den starken Chinesinnen überspurtet, hielt aber den Silberrang. Ein Spurt vor dem Ziel brachte Lenes Achter nochmal bis auf 59 Hundertstel Sekunden an die Chinesinnen heran und bescherte dem deutschen Team WM Silber. Als drittes und viertes Boot kamen einige Sekunden später Italien und die USA ein, Russland landete abgeschlagen auf Rang 5. 

Die Freude im Ziel war riesengross, es flossen (auch auf Seiten der mitgereisten Eltern und Freunde) viele Tränen und als die Mannschaft ihre silbernen WM Medaillen der internationalen Presse präsentieren durften, kam sie aus dem Strahlen nicht wieder heraus. 

Für Lene Mührs erfüllte sich mit der Vizeweltmeisterschaft ein erster großer Traum in ihrer noch jungen Karriere. Sie hat sich allerdings schon neue Ziele gesetzt und möchte zunächst die kommende Herbstsaison erfolgreich bestreiten (die Sprintmeisterschaft findet in diesem Jahr an der Kettwiger Rudergesellschaft statt). Im kommenden Jahr möchte sie dann gerne wieder eine Nominierung zur WM, diesmal in Bled, Slowenien erreichen. 

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